Jagd

Wildernde Hunde

Neben den ganzen tollen Momenten, die man mit Hund erlebt, gibt es so manch negative Begegnung mit Mitmenschen bzw. anderen Hundebesitzern. Vor allem im Wald.

Gerne wird man als Halter besonders eines großen Hundes darauf hingewiesen, dass dieser angeleint durch den Wald zu führen sei. Ansonsten würde ein Jäger dazu berechtigt sein, den wildernden Hund zu erschießen.

Stimmt das? Was darf man überhaupt im Wald?

Wir versuchen hier einen kleinen Einblick in die bestehenden Rechte von Hundehalter und zur Jagd berechtigten Personen zu geben. Wenn Sie mehr zu diesem Thema lesen möchten, finden Sie nützliche Informationen unter https://recht.nrw.de

 

 

Auszug aus dem Bundeswaldgesetz:

Betreten des Waldes (Zu § 14 Bundeswaldgesetz)

  • (1) Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist auf eigene Gefahr gestattet, soweit sich nicht aus den Bestimmungen dieses Gesetzes oder aus anderen Rechtsvorschriften Abweichungen ergeben. Das Betreten des Waldes geschieht insbesondere im Hinblick auf natur- und waldtypische Gefahren auf eigene Gefahr. Zu den natur- und waldtypischen Gefahren zählen vornehmlich solche, die von lebenden und toten Bäumen, sonstigem Aufwuchs oder natürlichem Bodenzustand ausgehen oder aus der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Waldes entstehen.
  • (2) Absatz 1 gilt sinngemäß auch für das Radfahren, ausgenommen die Benutzung motorgetriebener Fahrzeuge, und das Fahren mit Krankenfahrstühlen auf Straßen und festen Wegen.
  • (3) Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, daß die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie andere schutzwürdige Interessen der Waldbesitzer und die Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt werden. Im Wald dürfen Hunde außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden; dies gilt nicht für Jagdhunde im Rahmen jagdlicher Tätigkeiten sowie für Polizeihunde.
  • (4) Organisierte Veranstaltungen im Wald sind der Forstbehörde vor Beginn der beabsichtigten Maßnahme rechtzeitig anzuzeigen, sofern sie nicht mit geringer Teilnehmerzahl zum Zwecke der Umweltbildung durchgeführt werden. Die Forstbehörde kann die Veranstaltung von bestimmten Auflagen abhängig machen oder verbieten, wenn zu erwarten ist, dass durch die Veranstaltung eine Gefahr für den Wald, seine Funktionen oder die dem Wald und seinen Funktionen dienenden Einrichtungen besteht.

 

(Zu § 14 Bundeswaldgesetz)

  • (1) Verboten ist das
    • a) Betreten von Forstkulturen, Forstdickungen, Saatkämpen und Pflanzgärten,
    • b) Betreten ordnungsgemäß als gesperrt gekennzeichneter Waldflächen,
    • c) Betreten von Waldflächen, während auf ihnen Holz eingeschlagen oder aufbereitet wird,
    • d) Betreten von forstwirtschaftlichen, jagdlichen, imkerlichen und teichwirtschaftlichen Einrichtungen im Walde und
    • e) Fahren im Wald mit Ausnahme des Radfahrens und des Fahrens mit Krankenfahrstühlen auf Straßen und festen Wegen sowie das Zelten und das Abstellen von Wohnwagen und Kraftfahrzeugen im Wald, soweit hierfür nicht eine besondere Befugnis vorliegt. Verboten ist ferner das Reiten im Wald, soweit es nicht nach den Bestimmungen des Landschaftsgesetzes gestattet ist oder hierfür nicht eine besondere Befugnis vorliegt, der Verbote nach anderen Rechtsvorschriften nicht entgegenstehen.
  • (2) Zum Schutz von Forstkulturen, Saatkämpen und Pflanzgärten sind Eingatterungen zulässig; bei Flächen von mehr als 10 ha Größe bedarf es der vorherigen Genehmigung durch die Forstbehörde. Für die Genehmigung, die Kennzeichnung der eingegatterten Flächen und die Beseitigung ungenehmigter Eingatterungen gelten die Vorschriften über das Sperren von Waldflächen (§ 4 Abs. 2 bis 5).
  • (3) Eingatterungen aus waldfremden Materialien sind mit dem Wegfall des Schutzzweckes von dem Waldbesitzer unverzüglich zu entfernen. Wird dieser Verpflichtung nicht nachgekommen, gilt § 4 Absatz 5 entsprechend.

 

 

Darf mein Hund einfach so erschossen werden?

  • Fakt ist, dass das Wild im Wald geschützt werden soll. Auch vor wildernden Hunden. (siehe § 23 BJagdG).
  • Fakt ist aber auch, dass nicht jeder Hund, der sich 15 Meter vom Halter entfernt oder ein Hund der sich im Wald verirrt hat und nach seinem Herrchen sucht, erschossen werden darf.

Laut dem nordrhein-westfälischen Jagdgesetzt dürfen Personen, die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigt sind (aktiv) wildernde Hunde abschießen. Das bedeutet auch, dass nicht nur Jäger, sonder auch Jagdpächter, Jagdaufseher und Jagdgäste die Erlaubnis haben, wildernde Hunde abzuschießen. Diese Personen müssen eine schriftliche Erlaubnis der entsprechenden Behörde bei sich führen. (siehe Jagdgesetz NRW § 25 Abs. 4)

 

 

Und wann gilt ein Hund als „wildernder Hund“? 

„Ein Hund gilt vor dem Gesetz als „wildernd“ wenn er „im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung ihres Führers Wild aufsucht, verfolgt oder reißt“. Verfolgen und reissen sind für die zur Jagd berechtigten Personen rel. eindeutig zu erkennen. Beim Begriff „aufsuchen“ gestaltet es sich dagegen schwieriger. Ein Hund der ganz eindeutig nach Wild sucht gilt als „suchend“ und löst uU ein Jagdschutzbedürfnis aus.

JagdHunde die sich verirrt haben oder immer noch in Reichweite ihres Halters sind, dürfen nicht erschossen werden!!

Der Jagdberechtigte muss klar unterscheiden, ob ein Hund nur umherläuft oder ob er das Ziel verfolgt Wild zu reissen. Im Zweifel muss er sich gegen das Erschießen entscheiden. Es gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Das Wild muss in direkter Gefahr durch den Hund stehen und es darf keine andere Maßnahme gegen den Hund bestehen. Erst dann darf sich der Jäger für den Abschuss entscheiden.

 

Wichtig ist, und das nicht nur im Wald, der Hund muss immer im Einflussbereich des Halters sein!